Jul 16, 2011
Die Hoffnung der Spieler war groß, nachdem die ersten Trailer zu 9mm gezeigt wurden, aber auch die bedenken, wenn man das weniger gelungene Backstab mit einbezieht. Ob 9mm aber wieder die gewohnte und recht hohe Qualität von Gameloft bestätigen kann, klären wir in unserem Review.
Um gleich eines vorneweg zu nehmen, wer bei 9mm einen Open-World-Titel erwartet, der wird mit dem Spiel nicht glücklich werden und sollte lieber auf den nächsten Serienableger von Gangstar warten. 9mm ist ein streng lineares Actionspiel im Stil von Max Payne, warum wir ausgerechnet dieses Spiel erwähnen? Ihr schlüpft in die Rolle eines Cops mit Lederjacke der auf den passenden Namen John “Loose” Kannon hört und ihr könnt euch sicher sein das bei Kannon der Abzug besonders “locker” sitzt. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die so genannte Bullet-Time, die sich regelmäßig im Spiel einsetzen lässt und so einige schwierige Passagen um einiges leichter macht. Das Zielen klappt natürlich ebenso wie das Ausweichen in Zeitlupe um einiges besser. Besonders an einigen Stellen im Spielverlauf werdet ihr in jedem Fall auf diese Option zurückgreifen müssen, wenn ihr denn lebend aus dem Schusswechsel herauskommen möchtet.
Damit auch das passende Setting für einen harten Cop geschaffen wird, wird der Spieler in eines der übelsten Stadtviertel geworfen, um dort die Straßen von Drogendealer zu säubern. Wie es der Zufall so will trefft ihr bereits in den ersten Minuten zufällig auf den Bruder von einem der größten mexikanischen Drogenbosse und tötet diesen Kurzerhand. Ihr entdeckt anschließend erst wen ihr dort eigentlich umgelegt habt und findet eine gewaltige Menge an Drogen und Bargeld. Ihr denkt das reicht bereits um den Zorn des Drogenbarons auf euch zu ziehen? Aber warum halbe Sachen machen, daher steckt Kannon das Geld in die eigene Tasche und will damit die Straßen von diesem Abschaum befreien, Informanten bezahlen und andere “gute” Dinge verrichten. Ein paar Kollegen stimmen zu und sehen weg bzw. machen bei der ganzen Aktion auch noch mit, wer weiß was aus dieser Entscheidung alles noch entsteht…
Die Story und Dialoge strotzen zwar nur so vor Vorurteilen und gewissen Wörtern mit einem “F” im Englischen, dennoch gibt es im Verlauf der Geschichte ein paar kleinere Überraschungen, all dies ist zwar nichts was man nicht schon mehrfach in Actionfilmen gesehen hat, reicht aber dennoch aus um die Geschichte voran zu tragen und um euch einen Grund an die Hand zu geben, den Drogenboss endgültig auszuschalten. Wir möchten aber die wenigen Überraschungen und Storyinhalte nicht vorweg nehmen, da das Spiel mit knapp 4 Stunden Spielzeit auch nicht sehr lang ausgefallen ist.
Insgesamt erwarten euch 12 einzelne Abschnitte, die allesamt mit einem Übersichtsbildschirm enden, bei dem eure abgefeuerten Schüsse, Kopftreffer und einiges mehr aufgelistet werden. Am Ende gibt es noch eine Übersicht über die erreichten Achievements und vor jedem Einsatz einen Ladebildschirm samt kurzer Texteinleitung zum nächsten Abschnitt. Alle Gebiete sind streng linear aufgebaut, es gibt keine alternativen Routen und keine Open-World-Abschnitte in 9mm. Zur Auflockerung der zahlreichen Actionszenen gibt es auch immer mal wieder Verhöre oder Quick-Time-Events bei Verfolungsjagden. Dabei gilt es schnell auf ein Polizei-Symbol zu drücken oder schnell genug Worte mit dem Finger zu erwischen. Hier werdet ihr auch hin und wieder mehrere Anläufe brauchen um erfolgreich zu sein, ebenso segnet ihr auch an und ab bei Schießereien das Zeitliche, zwar ist die KI nicht sonderlich clever, es reicht aber dafür aus, um euch zu bedrängen und einzukreisen von mehreren Seiten, je nach eurer eigenen Stellung geht ihr manchmal also schnell zu Boden. Dennoch machen die Feuergefechte eine Menge Spaß und sind auch der Schwerpunkt von 9mm. Angefangen bei einer oder zwei Pistolen über Schrotflinten und verschiedene Sturmgewehre ist alles wichtige mit dabei. Dank sehr häufigen Speicherpunkten hält sich die Frustration auch stark in Grenzen, da ihr nur wenige Schritte laufen müsst oder wenige Sekunden warten müsst, um wieder an Ort und Stelle zu gelangen.
Die Steuerung klappt meistens ordentlich, auf dem iPad gibt es aber dennoch einige unschöne Aspekte zu bedenken. Zum Nachladen oder Waffenwechsel müsst ihr ganz nach oben rechts greifen und beim umsehen bzw. zielen in der Spielwelt werdet ihr des öfteren auch einmal ausversehen die Bullet-Time aktivieren anstatt euch umzusehen oder zu feuern, da die virtuellen Tasten sehr nahe beieinander liegen und man seinen Finger über eine größere Distanz ziehen muss um den Winkel im Spiel stark zu verändern. Wer dies komplett umgehen möchte, kann natürlich auch die Gyro-Sensoren einsetzen, statt sich auf die virtuellen Tasten zu verlassen.
Während Backstab zu letzt noch durch eine eher durchwachsene Optik, Bugs und Clipping-Fehler, sowie Charaktere ohne Lippenbewegungen bei Gesprächen aufgefallen ist, macht 9mm hier fast alles richtig. Zwar täuscht der hochaufgelöste Charakter im Hauptmenü ein wenig, denn diese hohe Qualität bei den Charaktermodellen kann 9mm im Spiel nicht wirklich erreichen, aber alles in allem zählt das Spiel mit zu den sehenswertesten auf dem iPhone und iPad.
Texturen von Gebäuden, Fahrzeugen und Charakteren, sowie Gesichtern gehen größtenteils in Ordnung, lediglich manche Charaktere fallen optisch deutlich ab und wirken viel gröber modeliert. Auch die Tricks die angewendet werden, um eine hohe Sichtweite vorzutäuschen gehen nicht immer auf. Gegen Ende des Spiels sieht man beispielsweise eine wirklich hässliche 2D-Textur die im Hintergrund eine Stadt darstellen sollte, hier fragt man sich dann, ob es nicht besser gewesen wäre eine eher verringte Sichtweite in Kauf zu nehmen. Musik und Sprachausgabe sind hingegen durchweg auf einem guten bis sehr hohen Niveau, besonders die Songs passen perfekt zum Setting und unterstützen die Action im richtigen Moment. Lippenbewegungen sind bei Gesprächen ebenfalls vorhanden, wenn auch nicht Synchron zur Sprache. Trotz ein paar Schwächen weiß 9mm aber über einen Großteil der Strecke optisch und akustisch zu gefallen.
Fazit: Wir geben zu das wir einige Bedenken hatten, nachdem Backstab im Test einige, für Gameloft eher untypische, Schwächen aufgezeigt hatte. Doch 9mm zeigt wieder einmal das Gameloft sehr gelungene Action-Titel abliefern kann. Dank passender Musik, gelungener Optik und knallharten Dialogen, sowie bleihaltigen Schusswechseln macht 9mm für einen Großteil der rund 4 Stunden Spielzeit eine Menge Spaß. Das Abenteuer fällt zwar streng linear aus, dank Bullet-Time, diversen Waffen, einem gelungenen Multiplayer-Modus und ein paar Storykniffen lohnt sich der Kauf aus unserer Sicht aber in jedem Fall, solange ihr kein Open-World-Abenteuer erwartet, denn 9mm orientiert sich deutlich stärker an Max Payne als an der GTA-Serie. Ganz perfekt ist zwar auch 9mm nicht, aber einige Schwächen bei Steuerung, Spielzeit und Texturen lässt sich angesichts der überwiegend positiven Eindrücke dennoch verschmerzen. Wer auf harte Action steht und sich nicht an der etwas schlichten Story stört, wird eine Menge Spaß mit 9mm haben.
Wertung: 9/10
9mm für iPhone & iPad – 5,49€ – 720 MB
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